Von Beat Glogger

Die beiden Physiker Georg Bednorz und Karl Alexander Müller entdeckten die Hochtemperatur-Supraleitung. Nur ein Jahr nach Veröffentlichung ihrer bahnbrechenden Arbeit wurden sie mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.

Die beiden Physiker Georg Bednorz und Karl Alexander Müller haben vor 25 Jahren die Hoch­temperatur-Supraleitung entdeckt. Wie viele Interviews sie seither gegeben haben, wissen beide nicht.

Beat Glogger: Sie beide haben schon sehr viele Interviews gegeben. Welche Frage möchten sie nicht mehr hören?
Alex Müller: Sie dürfen alles fragen.
Georg Bednorz: (lacht) Ob ich mit dem Nobelpreis gerechnet habe.

Haben Sie denn damit gerechnet?
Bednorz: Natürlich nicht. Ein Nobelpreis ist so etwas Entferntes, dass man sich damit nicht beschäftigen sollte.

Sie haben einmal gesagt, Physik sei für Sie etwas Mys­tisches. Passt das zusammen: Naturwissenschaft und Mystik?
Bednorz: Sicher. Es ist etwas Geheimnisvolles, wenn man eines der Schlüsselexperimente sieht, die als Beweis der Supraleitung dienen: diesen schwebenden Magneten. Das ist wie die schwebende Jungfrau, die uns Zauberer vorgaukeln. Aber hier ist es kein Trick, sondern Wirklichkeit – faszinierende Physik.

Sie sind also kein Zauberer; als was fühlen Sie sich denn?
Bednorz: Eher als Kreateur. Als einer, der neue Realitäten schafft.

Sie wurden auch schon als Alchemist bezeichnet.
Bednorz: Wenn der Alchemist Pülverchen gemischt hat, weiss ich nicht, ob er etwas Besonderes als Ziel gehabt hat. Wenn aber ein Festkörperphysiker oder Festkörperchemiker Pülverchen mischt, dann hat er etwas im Hinterkopf. Darum würde ich es eher mit einem Koch vergleichen. Der versucht, bestehende Rezepte zu variieren. Ich versuche, mehr Pfiff in die Festkörperphysik zu bringen und neue Materialien herzustellen.

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Boris Blank, Denise Biellmann, Max Bircher, Gottlieb Duttweiler, Richard Ernst, Tom Gabriel Fischer, Daniel und Markus Freitag, H.R. Giger, Globi, Franz Hohler, Daniel Keel, Werner Keiser, Julius Maggi, Dieter Meier, Harald Naegeli, Wim Ouboter, Roger Schawinski, Toni Vescoli, Andreas Vollenweider u.v.m.
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Es wurde später behauptet, Ihre Entdeckung sei Zufall gewesen.
Müller: Ich kann belegen, dass es nicht so war. Wir haben danach gesucht.

Spielt Zufall überhaupt eine Rolle in der Wissenschaft?
Bednorz: Ich würde sagen: Glück. Wenn Sie jahrelang arbeiten, ohne dass sich Erfolg einstellt, dann haben Sie auch mal einen Durchhänger. In genau solch einem Moment blätterte ich damals wahllos in der Literatur. Da fand ich das Rezept für eine Materialmischung und wusste: Das muss es sein. Das war ein Glücksfall. Aber man muss das Glück auch packen.

Hatten Sie bei Ihrer Entdeckung auch an mögliche Anwendungen gedacht?
Müller: Am Anfang gar nicht. Das war nur um der Forschung willen und aus Spass an der Sache.

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Supraleiter

Entdeckt hat die Supraleitung der holländische Physiker Heike Kamerlingh Onnes bereits 1911. Er tauchte Quecksilber in flüssiges Helium mit einer Temperatur von minus 269 Grad Celsius. Schlagartig verlor das Metall seinen elektrischen Widerstand und leitete Strom verlustfrei. Warum das geschieht, darüber streiten Physiker noch heute. Nachdem Karl Alexander Müller und Georg Bednorz zeigen konnten, dass Supraleitung auch bei höheren Temperaturen möglich ist und dafür 1987 den Nobelpreis für Physik erhielten, setzte ein weltweites Rennen um neue Materialien ein. Kommerziell interessant wurde das Phänomen bei minus 196 Grad. Hier reicht zur Kühlung flüssiger Stickstoff. Der ist billig und einfach herzustellen.
Erste Anwendungen der Supraleitung bestehen zum Beispiel in den Magnetresonanztomografen (MRI), mit denen sich in der Medizin Bilder aus dem Innern des Körpers ohne schädliche Röntgenstrahlung erstellen lassen. Dabei werden die Signale von supraleitenden Antennen aufgefangen. Ähnliche Antennen spüren auch in der Geologie und der Archäologie feinste Änderungen des Erdmagnetfeldes auf. So kann man zum Beispiel Erzvorkommen oder auch Strukturen von Gebäudeüberresten unter der Erdoberfläche entdecken.
Eine grosse Zukunft haben Supraleiter im Energiesektor. Auf Long Island bei New York ist ein supraleitendes Stromkabel installiert, welches dreimal mehr Strom transportiert als herkömmliche Kupferkabel. Auch der SeaTitan, eine gewaltige Windturbine, beruht auf supraleitenden Bauteilen. Er hat eine Leistung von 10 Megawatt – gut zweimal so viel wie die grössten heute installierten Turbinen. Und Japan baut bis ins Jahr 2045 die 500 km/h schnelle Magnetschwebebahn Chuo-Shinkansen von Tokio nach Nagoya. Sowohl in der Bahn als auch auf der Schiene sind supraleitende Magnete verbaut.

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