Von Corinne Hodel

Er hat die Schweiz zum Land der Urzeitgiganten gemacht: Hans-Jakob Siber ist einer der berühmtesten Dinosaurierforscher. Als Gründer und Leiter des Sauriermuseums in Aathal teilt er seine Leidenschaft mit kleinen und grossen Dino-Fans.

«Es gibt nichts Spannenderes als das Leben selbst. Auch für mich hat es viel Unerwartetes bereitgehalten. Mein Leben war immer sehr bewegt – und ist es noch immer. Zwar könnte ich schon seit mehreren Jahren als Rentner leben; aber ich säge doch nicht den Ast ab, auf dem ich mich wohl fühle. Ich bin rastlos und mag es, wenn etwas läuft. Das führt immer wieder zu Veränderungen. Denn die gehören zum Leben und zur Weltgeschichte. Deshalb sehe ich das mit dem Klimawandel auch nicht so dramatisch. Zwar werden ihm gewisse Tier- und Pflanzen­arten zum Opfer fallen und aussterben. Aber es werden sich auch neue Arten entwickeln. Denn die Natur hält kreative Lösungen bereit. Da bin ich mir sicher. Wie würde die Welt aussehen, wenn vor 65 Millionen Jahren auf der Erde kein Meteorit eingeschlagen hätte und die Dinosaurier nicht ausgestorben wären? Ihr Verschwinden hat anderen Tierarten die Chance gegeben, sich zu entwickeln – nicht zuletzt dem Menschen. Deshalb bin ich auch nicht traurig, dass die Giganten ausgestorben sind, obwohl ich als Dinoforscher von ihnen fasziniert bin. Das einzige, was von ihnen noch übrig ist, sind verstreute Knochen und hier und dort Hautreste. Mehr nicht. Doch diesen Überresten versuchen wir Funktionen und Eigenschaften zuzuschreiben wie etwa die Gang- oder gar Lebensart. Diese Detektiv­arbeit ist spannend. Dennoch würde ich manchmal auch gerne durch ein Schlüsselloch in die Vergangenheit schauen und die Dinos beobachten.
Aber das Auseinandersetzen mit der Vergangenheit hindert mich nicht daran, im Hier und Jetzt zu leben, denn ich bin auch stark in der Gegenwart präsent und hecke viele Pläne für die Zukunft aus. Ich bewege gerne etwas, führe Veränderungen herbei. Aber auch Veränderungen, die überraschend sind oder gar negativ scheinen, können eine Chance sein. Das habe ich mehrmals am ­eigenen Leib erlebt. Einmal zum Beispiel wollte das Naturhistorische Museum in Wien von mir ein möglichst grosses und vollständiges Dinosaurierskelett. Ich machte mich sofort daran, streckte die Fühler in den USA aus und organisierte Ausgrabungen. Doch bis das Projekt Früchte trug, vergingen vier Jahre. Da zogen sich die Verantwortlichen des Museums vom Auftrag zurück. Nun stand ich da mit dem ersten Original-Dinosaurier, der jemals in der Schweiz gezeigt worden war, und wusste nicht mehr weiter. In diesem Moment kam die renommierte Smithsonian Institution von Washington D. C. auf mich zu und bot mir für einen Teil meiner Sammlung Geld an. Ihr besonderes Interesse galt vier fünfzig Millionen Jahre alten Vogelfossilien. Das war die Rettung.

Mit Portraits von

Boris Blank, Denise Biellmann, Max Bircher, Gottlieb Duttweiler, Richard Ernst, Tom Gabriel Fischer, Daniel und Markus Freitag, H.R. Giger, Globi, Franz Hohler, Daniel Keel, Werner Keiser, Julius Maggi, Dieter Meier, Harald Naegeli, Wim Ouboter, Roger Schawinski, Toni Vescoli, Andreas Vollenweider u.v.m.
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Ein anderes Mal wurde mir eine vielversprechende Grabungsstätte in den USA verwehrt – und das wenige Tage vor dem Abflug in Zürich. Alles hatten wir bereits für die Ausgrabungen organisiert. Meine Verzweiflung war riesig. Nach langem Hin und Her habe ich dann doch die Verhandlungen mit den Fossilienrechtsbesitzern abschliessen können, und dort habe ich den Fund meines Lebens gemacht: den Allosaurus Big Al Two. Das Skelett dieses Raubsauriers gehört zu den am vollständigsten erhaltenen Allosaurier-Funden überhaupt. Ausgerechnet einer der grössten Fleischfresser – welch ein Glück! Dank dieser Grabungsstätte, die später noch weitere bedeutende Funde preisgab, wurde das ‹Siber-Team› im In- und ­Ausland bekannt. Ich habe mir unter den Wissenschaftlern aber auch deshalb einen Namen gemacht, weil diese von meinen Funden Proben nehmen dürfen – mit dem Risiko, dass die Knochen dabei Schaden nehmen. Ich bin da grosszügig. Denn wenn die Analyse einer Probe wieder einen Puzzlestein mehr zum Enträtseln des Geheimnisses um die Urzeitgiganten beitragen kann, macht mich das glücklich. Aber ich teile nicht nur meine Funde. Ich teile auch mein Wissen gerne. Deshalb organisiere ich immer wieder wissenschaftliche Symposien. Ich lade Forscher aus aller Welt ein, um mit ihnen die neuesten Erkenntnisse aus der Dinoforschung auszutauschen.

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Diplodocus von Siber

Es war vielleicht das schönste Weihnachtsgeschenk für Hans-Jakob Siber, denn im Dezember 2012 wurde ein neu entdeckter Pflanzenfresser nach ihm benannt: Kaatedocus siberi, der «kleine Diplodocus von Siber». «Klein» bedeutet bei den Langhals-Dinosauriern allerdings eine stattliche Körperlänge von über zehn Metern. Aber im Vergleich zu anderen Langhals-Dinosauriern, die bis zu dreissig Meter lang waren, wird der «kleine Diplodocus von Siber» seinem Namen doch gerecht.

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