Von Barbara Vonarburg

Das Birchermüesli zählt neben Schokolade und Fondue zu den weltweit bekanntesten Schweizer Spezialitäten. Erfunden hat es um 1900 der Arzt und Ernährungsreformer Max Bircher-Benner.

Müesli, Musli oder Mussly – kein anderes schweizerdeutsches Wort findet sich in so vielen Sprachen und auf Paketen in Supermärkten rund um die Welt. Doch viele der überzuckerten und mit verschiedensten Zusätzen aufgepeppten Fertigmischungen erinnern nur noch entfernt an die Apfeldiätspeise, die Max Bircher-Benner den Patienten in seinem Sanatorium am Zürichberg servieren liess. Für das Original-Birchermüesli verwendete der Arzt nur frische Äpfel, in Wasser aufgeweichte Haferflocken, Zitronensaft, Kondensmilch und geriebene Nüsse. «D Spys», wie er seine Erfindung nannte, erinnerte ihn an ein Gericht, das ihm eine Sennerin aufgetischt hatte, als er auf einer Bergwanderung in einer Alphütte eingekehrt war.

Der Arzt Bircher-Benner propagierte eine naturnahe Ernährung mit viel Rohkost statt der schweren bürgerlichen Küche – und hatte Erfolg damit. In seinem Sanatorium am Zürichberg erholten sich zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts viele prominente Kurgäste wie der Schriftsteller Thomas Mann oder der Dirigent Wilhelm Furtwängler. «Die Patientinnen vergötterten ihn», schreibt der Historiker Albert Wirz in einem Buch über den charismatischen Rohkostpionier. «Bircher-Benner war ein von seinen Ideen erfüllter Arzt, ein Mann voller Sendungsbewusstsein, ein Weltverbesserer und Heilsverkünder.»

Es begann im August 1867: Ein Grossbrand in Aarau erschreckte die schwangere Berta Bircher-Krüsi so heftig, dass sie ihren Sohn Maximilian Oskar zwei Monate zu früh gebar. «Dass der kleine Erdenbürger überlebte, grenzt an ein Wunder; denn Brutkästen waren damals noch unbekannt», schreibt Wirz. Allerdings kam der Junge mit einem Herzfehler zur Welt, der ihm ein Leben lang zu schaffen machte. Schon früh soll sich der kleine Max für alle Krankheiten in der Familie so auffallend interessiert haben, dass er «das Dökterli» genannt wurde. Bereits während der Schulzeit wusste er, dass er Medizin studieren wollte. Doch sein Vater, ein Notar, verlor wegen einer Bürgschaft sein Vermögen. «Nur dank der gütigen Hilfe von Freunden wurde mir das Studium ermöglicht», schreibt Bircher-Benner in seiner Autobiographie.

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Boris Blank, Denise Biellmann, Max Bircher, Gottlieb Duttweiler, Richard Ernst, Tom Gabriel Fischer, Daniel und Markus Freitag, H.R. Giger, Globi, Franz Hohler, Daniel Keel, Werner Keiser, Julius Maggi, Dieter Meier, Harald Naegeli, Wim Ouboter, Roger Schawinski, Toni Vescoli, Andreas Vollenweider u.v.m.
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1891 eröffnete er eine Praxis im Industriequartier der Stadt Zürich. Zwei Jahre ­später heiratete er eine reiche Apotheker-­Tochter, Elisabeth Benner. Der junge Arzt behandelte alle möglichen Krankheiten, musste aber auch miterleben, wie oft Alkoholmissbrauch Menschenleben und Fami­lienglück zerstörte. Einmal sei er gerufen worden, weil es in der Wohnung von Mietern so still geworden war, berichtet er: «Nach Aufbrechen der Türe bot sich mir ein furchtbarer Anblick: Auf dem Bett lagen zwei kleine, erdrosselte Kinderchen, die Ärmchen des einen ums andere gelegt; an der Türe hing erhängt die tote Mutter mit einem misslungenen Schnitt am Halse.» Der Alkohol- und Morphiumabhängige Ehemann hatte seine Frau verlassen.

 

Als Arzt selbst alkoholabstinent, wollte Bircher-Benner ein gutes Vorbild sein; doch die Arbeit frustrierte ihn, weil er die meisten Krankheiten nur unzureichend behandeln konnte. «Da kam im vierten Jahre meiner Praxis das Ereignis, das meine Arzttätigkeit völlig wandeln sollte», schreibt er. Bircher-Benner behandelte eine Frau, die aufgrund einer Magenkrankheit abgemagert und bettlägerig war. Wochenlange Anstrengungen brachten keine Besserung. «Mein Latein war am Ende; ich hielt den Fall für hoffnungslos», berichtet der Arzt. Auf Anregung eines Bekannten, der sich vegetarisch ernährte, verschrieb Bircher-Benner der Patientin eine Rohkostdiät. Schon zuvor hatte er am eigenen Leib erfahren, wie gut ihm Äpfel bekamen, als er unter Gelbsucht litt.

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