Von Beat Glogger

Der aus Winterthur stammende Wissenschaftler Richard Ernst hat die Grundlagen für ein Gerät geschaffen, das aus der modernen Medizin nicht mehr wegzudenken ist: den Magnetresonanztomografen (MRI). Der Gewinn des Nobelpreises war eine riesige Freude; das erste Bild von seinem Gehirn war hingegen eine Enttäuschung.

Herr Ernst, lagen Sie selber schon mal in einem Magnetresonanztomografen?
Natürlich. Das erste Mal, weil sie im Universitätsspital Zürich aus Neugierde gern ein Bild von mir wollten – ­eines von meinem Kopf. Der diensthabende Arzt sagte danach zu mir: «Herr Ernst, ihr Kopf ist ganz normal. Warum haben Sie einen Nobelpreis bekommen?»

Wie ist das bei Ihnen angekommen?
Nicht gerade als Beleidigung; aber ein bisschen war es schon eine Enttäuschung. Später fand ich heraus, dass man das Hirn von Karl Friedrich Gauss, dem grossen Mathematiker, in Alkohol aufbewahrt hatte. Als man es im MRI untersuchte, kam ebenfalls dabei raus: «Just another brain». Auf meinem zweiten Bild aus dem MRI – das war vor 2 Jahren – entdeckte man eine Stenose im Hirn, eine Verengung der Blutgefässe; und man prognostizierte mir einen sehr angenehmen Tod: Die Welt werde einfach irgendwann mal vor meinen Augen verschwinden.

Wie ist es, selbst in dieser lärmenden Röhre zu liegen und zu wissen «Wenn ich das nicht erfunden hätte, gäbe es das Ding nicht»?
Das ist an sich nichts Besonderes. Aber die Tatsache, dass meine Forschung der Gesellschaft etwas gebracht hat, ist für mich sehr wichtig. Ich wollte immer etwas Nützliches leisten.

Dass man eines Tages aber auch den Sitz der Angst oder der Liebe damit sehen kann, hätten Sie nicht gedacht?
Nein, das habe ich mir nie vorgestellt.

Es gab auch Experimente, bei denen man Nonnen im MRI beten liess, um herauszufinden, wo das Gotteserlebnis sitzt. Was halten Sie davon?
Nichts. Das Einzige, was ein MRI kann, ist die Aktivität im Hirn zu lokalisieren. Man hat aber keine Ahnung, was dort genau passiert. Alles Weitere ist Interpretation und Spekulation.

Ihre Entwicklung trägt also nicht zur Entmystifizierung der Religiosität bei?
Nein, das hat damit nichts zu tun.

Mit Portraits von

Boris Blank, Denise Biellmann, Max Bircher, Gottlieb Duttweiler, Richard Ernst, Tom Gabriel Fischer, Daniel und Markus Freitag, H.R. Giger, Globi, Franz Hohler, Daniel Keel, Werner Keiser, Julius Maggi, Dieter Meier, Harald Naegeli, Wim Ouboter, Roger Schawinski, Toni Vescoli, Andreas Vollenweider u.v.m.
Buch bestellen

Fragt man auf der Strasse jemanden, wer die Glühbirne erfunden hat, denkt jeder an Edison. Beim MRI denkt keiner an Sie.
Ich hab’s auch nicht erfunden, das war Paul Lauterbur (Anm. d. Red.: US-amerikanischer Chemiker und Radiologe). Wobei auch das fraglich ist. Ich sage immer: Wenn jemand eine Erfindung macht, muss man in die Geschichte zurückblicken, um zu sehen, wer was zuvor gemacht hat. Alles hat eine Vorgeschichte, so auch bei mir.

Sie sagten einmal, der Heiligenschein, den man als Nobelpreisträger hat, sorge dafür, dass die eigene Meinung gefragt sei.
Ich sagte, dass ich in Stockholm eine Stimme bekommen habe und diese nutzen muss. Wissenschaftler haben die Pflicht, ehrlich und offen zu sein. Ich sage, was ich denke.

Forscher mischen sich aber oft erst nach ihrer Pensionierung in gesellschaftliche Diskussionen ein.
Das ist eine Frage der Zeit und der Prioritäten.

Schweigen sie nicht eher aus Rücksicht auf die eigene Karriere?
Das spielt sicher eine Rolle. Wichtigster Hinderungsgrund ist aber sicher das Interesse, das vor allem der Wissenschaft gilt und wenig Platz für anderes lässt.

Ihre Leistung liegt über 45 Jahre zurück und ist immer noch Ihr Markenzeichen. Gab es Zeiten, wo Sie dachten: «Oh nein, nicht schon wieder Magnetresonanztomo­grafie»?
Eigentlich nicht. Ich wusste immer, dass es wichtig ist und habe auch viele Vorträge gehalten, die immer im MRI gegipfelt hatten. Es ist ein sehr dankbares Thema, weil man damit zeigen kann, wie wichtig Wissenschaft sein kann.

Sie sind der Schweizer Nobelpreisträger, der sich am meisten zu Wort meldet. Gibt es Themen, zu denen Sie nichts sagen wollen oder können?
Ich versuche, mir immer eine Meinung zu bilden und dann auch etwas zu sagen, selbst wenn ich nichts weiss. Das kommt oft vor. Auch wenn man nichts zu sagen hat, kann man trotzdem provozieren.

Mehr erfahren Sie im Buch.

Jetzt bestellen

Magnetresonanztomografie

Die Magnetresonanztomografie (MRT) oder englisch Magnetic Resonance Imaging (MRI) ist ein bildgebendes Verfahren, das in der Medizin zur Darstellung von Gewebe und Organen im Körper dient. Der Magnetresonanztomograf erzeugt sehr starke Magnetfelder, welche die Atomkerne der Wassermoleküle im Körper zum Schwingen anregen. Diese Schwingung wird von einem Empfänger in Form elektrischer Signale aufgefangen. Weil in jedem Gewebe der Wassergehalt verschieden ist, lassen sich aus diesen Signalen sehr präzise Bilder errechnen.
Eine neuere Anwendung ist das sogenannte funktionale MRI (fMRI). Damit werden zum Beispiel aktive Bereiche in einem Gehirn identifiziert, woraus man Schlüsse auf die Funktion einer bestimmten Hirnregion ziehen kann. Das MRI setzt – im Gegensatz zur Röntgenuntersuchung – die Patienten keinen schädlichen Strahlen aus.

Duttweiler MGB

Gottlieb Duttweiler

Dutti geht auf Tutti

Freitag Kraake

Daniel Freitag und Markus Freitag

Die Taschen-Brüder

Ernst

Richard Ernst

Meine Frau sagt, ich hätte abstruse Ideen

Yello Bildschirmfoto

Dieter Meier und Boris Blank

«Oh Yeah!»

Mueller Willy Ipsophon Studio

Willy Müller

Achtung ... sprechen Sie bitte jetzt!

Biellmann

Denise Biellmann

Tausend mal gedreht

Bircher_Muesli

Max Bircher-Benner

Fast Food für die Volksgesundheit

Kieser

Werner Kieser

Der Mensch wächst am Widerstand

Duering Lehr Duerings

Maria Düring und Walter Düring

Ente gut, alles gut

Meierhofer

Marie Meierhofer

Ich habe lange gelebt, geliebt und gelitten

Können ein Vierteljahrhundert nach dem Nobelpreis immer noch zusammen lachen: Karl Alexander Müller und Georg Bednorz.

Georg Bednorz und Karl Alexander Müller

Es ging uns um den Spass an der Sache

Siber 1986 Wal Josephina

Hans-Jakob Siber

Jäger der Urzeitknochen