Von Fee Anabelle Riebeling

Wegen einer verletzten Rippe kam Werner Kieser auf die Idee, Krafttraining als Therapie zu betreiben. Viele hielten ihn für verrückt. Er liess sich nicht beirren und befolgte auch sonst manchen guten Rat nicht – mit Erfolg.

Der Mensch wächst am Widerstand, sagt Werner Kieser und meint dies nicht nur im übertragenen Sinn. Denn der «Rücken-Papst», wie viele ihn nennen, weiss: In dieser Aussage steckt auch aus physiologischer Sicht viel Wahres. Den Beweis liefern er selbst und seine rund 270 000 Kunden. Weltweit stärken sie sich an den von ihm selbst entwickelten Kraftmaschinen, die in seinen über 150 Trainings- und Therapiezentren stehen. Obwohl die Marke Kieser eng mit ihm verbunden ist, gibt sich der Pionier des präventiven und therapeutischen Krafttrainings im Interview, das im Kieser-Headquarter im Zürcher Primetower stattfindet, bescheiden. Er sieht seine Karriere nicht als One-Man-Show.

Herr Kieser, Sie sagen, ohne Mentoren wären Sie nicht so weit gekommen. Trotzdem haben Sie die ersten Schritte allein gemacht. Wie kam es dazu?
Werner Kieser: Mit 17 Jahren habe ich mir beim Box-Sparring eine Rippenfellentzündung zugezogen. Deshalb riet mir mein Arzt, vorübergehend nicht mehr ins Training zu gehen. Als ich das im Studio erzählte, gab es diesen spanischen Boxer namens Ramon, der sagte: «So ein Quatsch, trainiere mit Gewichten, dann bist du schneller wieder gesund». Darüber haben alle gelacht.

Sie auch?
Nein; ich dachte, dass dieser Sportler wohl mehr Ahnung davon hat als ich und die sogenannten Experten um mich herum. Und tatsächlich: Er hatte recht.

War das Training mit Gewichten etwas völlig Neues?
In Frankreich gab es bereits die «culture physique». Aber das war in Sportlerkreisen verpönt. Man dachte, die Muskelmasse sei nicht nutzbar, mache unbeweglich und langsam. Deswegen hat sich ausser den Gewicht­hebern niemand damit befasst.

Warum haben Sie weitergemacht?
Die Effekte von Krafttraining sind riesig. Es beschleunigt die Aufbauprozesse insbesondere der Muskeln und der Knochen. Und Aufbauprozesse sind Heilungsprozesse. Doch das erkannte ich erst später. Im zarten Alter von 17 Jahren war ich einfach glücklich, dass ich schnell wieder gesund war und nicht ein halbes Jahr aussetzen musste. Zudem wurde ich innert kurzer Zeit sehr kräftig, was mir natürlich gefiel. Meine Mutter fand das entsetzlich. Alle anderen in meinem Alter wären so schön schlank. Aber ausgerechnet ihr Sohn sah aus wie Herr Lindner, der Knecht vom Bauern nebenan – ausgemergelt, aber muskelbepackt.

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Boris Blank, Denise Biellmann, Max Bircher, Gottlieb Duttweiler, Richard Ernst, Tom Gabriel Fischer, Daniel und Markus Freitag, H.R. Giger, Globi, Franz Hohler, Daniel Keel, Werner Keiser, Julius Maggi, Dieter Meier, Harald Naegeli, Wim Ouboter, Roger Schawinski, Toni Vescoli, Andreas Vollenweider u.v.m.
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Ungeachtet der Sorgen seiner Mutter machte Werner Kieser weiter. Im ehemaligen Trockenraum seines Elternhauses richtete er sich 1958 seinen ersten Trainingsraum ein. Die Gewichte dafür bastelte der gelernte Tischler selbst aus Altmetall, das er für 40 Rappen pro Kilo bei der Firma Neomontana in Altstetten kaufte. Seinen Freunden gefiel, was er tat, und trainierten bei ihm. Auch als er 1966 sein erstes richtiges Studio eröffnete, blieben sie ihm treu. Doch waren es zu wenige, als dass er davon hätte leben können. Um über die Runden zu kommen, arbeitete Kieser nebenher in einem Waffengeschäft. Sein Vater war davon wenig angetan und äusserte Zweifel an der geistigen Unversehrtheit seines Sohnes. Noch drastischer war die Reaktion von Kiesers erster Frau Gerda: Sie verliess ihn mit dem gemeinsamen Sohn Ketill. Doch trotz dieser Rückschläge glaubte Werner Kieser weiterhin daran, die Welt mit Hilfe seines Trainings kräftigen zu können. 1967 gründete er schliesslich die Kieser Training AG.

Wie wurden Sie doch noch erfolgreich?
Die Anfangszeit war schwierig. Dann spielte mir der Zeitgeist in die Hände. Denn nach der Mondlandung wollten plötzlich alle fit sein. Vorher hatte ich so viel Überzeugungsarbeit geleistet – ohne Erfolg. Das ist wie beim Segeln: Es braucht Wind, sonst nützt das beste Boot nichts. 1980 konnte ich mein zweites Studio eröffnen.

Beim Segeln gibt es aber auch Gegenwind.
In der Tat. Doch daran wächst man, wie mein Beispiel zeigt. Ich habe immer wieder Entscheidungen gegen alle Empfehlungen getroffen – erfolgreich.

Damals trainierten Sie noch mit Hanteln. Heute gibt es die bei Ihnen nicht mehr. Was ist passiert?
1972 las ich von dem Amerikaner Arthur Jones, der Maschinen entwickelt hatte, die eine Art Negativ vom menschlichen Skelett darstellen. Diese Nautilus-Geräte haben einen Drehpunkt, der dem der Gelenke entspricht und in jedem Gelenkwinkel den richtigen Widerstand bietet. Dadurch wird das Training effizienter. Weil ich mir Jones’ Maschinen nicht leisten konnte, konstruierte ich sie selbst nach. Meine Geräte Marke «Eigenbau» kamen an. Dass das Trainingsprinzip gut ist, merkte jeder, der darin sass. Zudem verringern sie den Zeitaufwand. Man kann damit gar nicht lange trainieren. Nach einer halben Stunde ist man fertig, in jeder Hinsicht. Ausserdem muss man keine Gewichte herumschleppen. Das war für meine Kunden ausschlaggebend. Ich wusste: Ich muss die Originale haben. 1978 holte ich sie mir.

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